"Komm, wir fahren ins Bad" hörte ich - natürlich auf Japanisch - gegen 20:30 Uhr. Schon von vornherein kann man sich drüben nicht so sicher sein, was man da versteht, immerhin wird "Bad" genauso ausgesprochen wie "Orgelregister" oder ein Teil des Wortes für die berühmten "Love Hotels", die in Tokyo übrigens anscheinend versteckter sind, als man nach Lost in Translation und sonstigen Erzählungen über Japan vielleicht vermuten würde.
Weil "Komm, wir fahren zur Orgel" genauso wie das Love Hotel eher zu den ungewöhnlicheren Zeitvertreiben mit der Gastfamilie gehört, packte ich gutgläubig und motiviert die Badehose ein, woraufhin meine Gastmutter mir 10 Minuten lang umständlich deutlich machen wollte, dass ich die nicht bräuchte, sondern nur ein großes und ein kleines Handtuch.
Verwirrt gings - ohne Badehose, dafür aber mit Handtüchern - ins Auto und nach einer verhältnismäßig kurzen Fahrt (insgesamt schlich sich irgendwie das Gefühl ein, dass Japaner entweder gerne Umwege fahren oder dass das nächste Restaurant/der nächste Sojaladen/das nächste Baseballspielfeld mindestens 20 km entfernt sind) kam dann tatsächlich ein Bad. Glück gehabt, auch wenn Orgel spielen eigentlich ganz spaßig ist, sollte das doch besser sein.
Ans Schuhe ausziehen in öffentlichen Gebäuden gewöhnt man sich schnell. Dass 10 Minuten später der Rest der Kleidung folgte, war da schon ungewöhnlicher.
Also mal mitgemacht, scheint ja üblich zu sein hier.
Das Bad entpuppte sich dann schließlich eher als Thermal-Heil-Erholungs-Haus, mit blubbernden Becken drinnen und draußen, die nach Gewürz riechen. So richtig exotisch ist das nicht, nur unvorbereitet.
Und als einziger blonder Mensch ist es mit besagter Unauffälligkeit auch schon gelaufen. Da hilft nur untertauchen.